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Interview: Perspektiven für die Baubranche 2022

Autor: TWINGINE Redaktion

11 Min.

Christian Schunicht, Geschäftsführer bei TWINGINE, über digitale Zwillinge, die durchschaut werden müssen, Trends in der Real-Estate-Branche und ein Ausblick auf das Jahr 2022.

Christian, Industrie, Wissenschaft und Immobilienbranche sehen doppelt – digitale Zwillinge sind überall und versprechen viele Vorteile, zum Beispiel für die Nachhaltigkeit. Ein Digital Twin alleine macht ein Immobilienprojekt aber noch nicht nachhaltig. Was gehört noch dazu?

Christian Schunicht: Tatsächlich reichen digitale Zwillinge allein nicht aus, um Gebäude in Zukunft wirklich nachhaltig, zirkulär und klimaschonend bauen und sanieren zu können. Die Voraussetzung dafür, dass Gebäude wirklich nachhaltig sein können, ist Transparenz.

Zum Beispiel darüber, was eigentlich der Footprint hinsichtlich Faktoren wie CO2, Kreislauffähigkeit des Gebäudes und der verwendeten Baustoffe ist, und zwar basierend auf einem konkreten Entwurf.

Das ist der Punkt, an dem TWINGINE ins Spiel kommt?

Genau, mit TWINGINE nehmen wir diesen konkreten Entwurf eines Gebäudes in digitaler Form und werten ihn hinsichtlich verschiedener Nachhaltigkeitsaspekte aus. Damit lässt sich transparent darstellen, wie hoch denn beispielsweise der Energieverbrauch eines Gebäudes ist – und das wohlgemerkt schon bevor es gebaut wurde.

Erst mit diesem Wissen ist es möglich, Optimierungen vorzunehmen, und zwar bis auf die Ebene jedes einzelnen Bauelements.

Woher wissen denn Bauherren, was gut und was besser ist, wenn es um die Nachhaltigkeit ihrer Gebäude geht?

Das kommt ganz auf die Ansprüche an das konkrete Projekt an. Mit TWINGINE haben Bauherren die Möglichkeit, den Entwurf ihres Gebäudes an Standards zu messen.

Welche Standards sind das typischerweise?

Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen hat etwa Richtwerte und Kriterien festgelegt, um die Nachhaltigkeit von Neubauten bewerten zu können. Im Fokus stehen dabei zum Beispiel die ökologische, ökonomische und soziale Qualität von Immobilien. Bauherren können aber auch eigene Firmenstandards als Orientierung verwenden.

Sind solche Nachhaltigkeitsziele bei Firmen heute schon die Regel?

In Zukunft müssen immer mehr Firmen konkrete Ziele für Energieverbräuche oder den CO2-Footprint ihrer Gebäudeprojekte festlegen. Siemens macht das beispielsweise schon intensiv.

„In Zukunft müssen immer mehr Firmen konkrete Ziele für Energieverbräuche oder den CO2-Footprint ihrer Gebäudeprojekte festlegen.“

Christian Schunicht, Geschäftsführer TWINGINE

Die Real-Estate-Branche gilt nicht gerade als digitaler Vorreiter und Tools und Methoden wie BIM sind noch immer nicht flächendeckend im Einsatz. Was sind die Gründe dafür?

Building Information Modeling hat im Grunde nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn es für das operative Geschäft einen Mehrwert liefert. Allerdings ist die Methode unter dem Buzzword der Digitalisierung oft nicht über den Status einer fancy Idee hinausgekommen und war bisher nur ein Selbstzweck.

Mit TWINGINE ändert sich das jetzt.

Ja, mit TWINGINE geben wir einem für viele Bauherren sehr abstrakten Thema einen konkreten Nutzen. Wir setzen BIM als Mittel zum Zweck ein. BIM wird zur zentralen Datenbasis, um Bauherren entscheidende Erkenntnisse zu ihren Projekten zu liefern. Und das schnell und clickable. Und zwar Erkenntnisse hinsichtlich Kosten, CO2, Flächeneffizienz und so weiter.

Deswegen macht BIM für Bauherren endlich Sinn – nicht, weil es fancy ist, sondern, weil es über TWINGINE wichtige Erkenntnisse für die großen Fragestellungen von Bauherren liefern kann. Ihr Vorteil ist, dass sie ihre Gebäude so noch effizienter, nachhaltiger und kostengünstiger planen können.

Welche Projekte können Bauherren mit TWINGINE und der BIM-Datenbasis realisieren?

Aktuell liegt unser Fokus auf Bauprojekten der Privatwirtschaft und der öffentlichen Hand. Wir sind aber zum Beispiel auch im Gespräch mit Entwicklern für Sozialbauten. Der demografische Wandel hinterlässt nicht nur in Branchen wie dem Gesundheitswesen oder der Bildung seine Spuren, sondern auch auf dem Immobilienmarkt, wo der Bedarf nach Pflegeimmobilien und altersgerechtem Wohnen wächst.

Geplant ist langfristig auch, internationale Märkte zu bedienen. Denn die Themen Effizienz und Nachhaltigkeit sind nicht nur in Deutschland absolute Megatrends, sondern beschäftigen natürlich Bauherren auf der ganzen Welt.

Da du gerade Trends und Branchen ansprichst: Was hat die Real-Estate-Branche deiner Meinung nach 2021 besonders bewegt?

Die Pandemie war selbstverständlich wie in allen Branchen ein Thema. Trotzdem ist die Bautätigkeit nach wie vor enorm. Außerdem hat sie der Branche auch positive Entwicklungen gebracht. Der Rückzug ins Home-Office hat unglaublich geholfen, das Thema Digitalisierung noch stärker in der Immobilienbranche zu verankern.

Viele Akteure haben sich plötzlich viel intensiver damit beschäftigt, wie sie Daten in der Cloud speichern und verarbeiten können und wie sich Prozesse digitalisieren lassen. Im Jahr 2021 hat die Real-Estate-Branche also eine gewisse Affinität für digitale Abläufe entwickelt.

„Die Pandemie hat der Branche auch positive Entwicklungen gebracht. Der Rückzug ins Home-Office
hat unglaublich geholfen, das Thema Digitalisierung
noch stärker in der Immobilienbranche zu verankern.“

Christian Schunicht, Geschäftsführer bei TWINGINE

Was waren deine persönlichen Highlights 2021?

Ein positives Highlight für mich war, dass einige Messen wie die Expo Real und die BIM-World wieder stattfinden konnten. Das war auch für TWINGINE unglaublich wichtig. Wir waren auf beiden Messen präsent und konnten viele interessante Gespräche führen.

Generell sieht man, dass die Branche immer offener für digitale Lösungen wird und diese auch verstärkt konkret nutzen will.

Wenn du für die gesamte Real-Estate-Branche eine Prognose für 2022 abgeben müsstest: Welche Top-3-Themen werden Bauherren und Developer beschäftigen?

Die drei Top-Themen 2022 sind Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit und Nachhaltigkeit! Die Zirkularität zu verbessern und den Gebäude-Impact auf die Umwelt exakter abschätzen zu können – das wird die gesamte Branche noch lange umtreiben.

Hinzu kommt die Frage, wie Bauherren die immer weiter steigenden Baukosten in den Griff bekommen und ihre Flächen möglichst effizient nutzen können.

Und nicht zuletzt werden digitale Gebäudemodelle in Planungsphasen und im Betrieb von Gebäuden eine immer größere Rolle spielen.

Also drei Themen, die TWINGINE adressiert. Wir sind gespannt, was 2022 für die Branche und TWINGINE bringt. Vielen Dank für das Gespräch!

Ihre Profi-Insights für die Real-Estate-Branche

Welche Benefits bietet BIM in Real-Estate-Projekten? Wie unterstützen digitale Zwillinge Bauherren? Und wie können Sie Ihre BIM-Daten noch effizienter nutzen? Antworten liefert das E-Book BIM in der Praxis.

Geschrieben von:

TWINGINE Redaktion

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